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Backstage bei Anastasia

gepostet am 6/16/2019

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis wir Zeit gefunden haben, die Backstagetour von „Anastasia – das Broadway Musical“ zu machen. Am 02. Juni haben wir uns kurzfristig dazu entschlossen, es endlich anzugehen.

Das Musical basiert auf dem Film “Anastasia” von 1997. Kurze Geschichtsstunde: Die Romanov Zarenfamilie wurde 1918 brutal ermordet. Sie hatten 4 Töchter und einen Sohn. Ihre Mutter hatte den Mädchen Diamanten in die Korsetts genäht, welche zwei der Mädchen vor den tödlichen Schüssen „beschützten“. Eine der Beiden war Anastasia. Ihre Leiche bzw. ihr Skelett wurde Jahrzehnte lang nicht gefunden und eine Frau, Anna Anderson, tauchte plötzlich auf, die behauptete, die verschollene Prinzessin zu sein. Tatsächlich sah sie Anastasia sehr ähnlich und sie hatte auch einige Merkmale, wie z.B. die Fehlstellung der Zehen. Man bestand darauf, dass sie entfernte Verwandte der Romanovs überzeugen musste, um anerkannt zu werden. Während Anastasia damaliger Kindheitsfreund Anna glaubte, nahm es ihr die Verwandtschaft nicht ab. Jahre nachdem Anna Anderson starb, wurde ein weiteres Skelett gefunden, und zwar das von Anastasia. Man fand heraus, dass Maria und sie wegen den Diamanten, nicht erschossen, sondern erstochen wurden. Die jahrelange Vermutung, dass Anastasia entkommen konnte und einfach ihr Gedächtnis verlor, hat sich im Nachhinein nicht bewahrheitet.

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So dunkel die wahre Geschichte ist, umso „fröhlicher“ ist das Musical. Im Musical hat Anastasia überlebt und jegliche Erinnerungen verloren. Dimitri hilft ihr, sich immer besser in die Rolle der Anastasia einzufinden. Später stellt sich heraus, dass sie tatsächlich die verloren geglaubte Zarrentocher ist.

Nachdem wir rein gelassen wurden, sind wir direkt auf die Bühne gebracht worden. Ich hab Anastasia schon einige Male davor gesehen, daher wusste ich, wie die Bühne aussieht, aber selbst auf der Bühne zu stehen, ist ein komplett anderes Gefühl. Sie hat uns einige Informationen über die Bildschirme und die rotierenden Bodenflächen gegeben. Falls du Anastasia noch nicht gesehen haben solltest: Es werden high-tech Bildschirme verwendet, um dich schnell wechselnd zu vielen verschiedenen Orten zu bringen. Während einem Akt rotiert die Plattform bis zu 14-mal und am schnellsten müssen die Szenen in grade mal 60 Sekunden umgebaut werden.

Das Musical beginnt mit der kleinen Anastasia und ihrer „Nana“ (Großmutter) auf dem Bett. Das kleine Mädchen fleht ihre Oma an, nicht nach Paris abzureisen. In dieser Szene erhält Anastasia eine Spieluhr von ihr. Die kleinen Darstellerinen von Anastasia (die gerade mal zwischen 7 und 11 sind) spielen während dem Musical nicht nur eine, sondern gleich 3 Rollen. Sobald Anastasia älter wird, verkörpern die Kinder-Darstellerinnen den kleinen Bruder, Alexei Romanov. Zwischen dem Rollenwechsel von der kleinen Anastasia zu Alexei liegen gerade mal 40 Sekunden. Das heißt, die Kleinen müssen sich in rasender Geschwindigkeit umziehen.

Die ersten Szenen ist wirklich heftig. Anfangs sieht man die ganze Romanov Familie ausgelassen tanzen und einfach nur Spaß haben, bevor sie eine Explosion hören. Sie versuchen zu fliehen, aber es ist zu spät. Alle werden erschossen. Einzig und allein Anastasia wird verschont, weil sie zurück rennt, um ihre Spieluhr zu holen.

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Mittlerweile hat sich in St. Petersburg bzw. Leningrad rumgesprochen, dass Anastasia überlebt haben soll und dass ihre Großmutter einen hohen Preis an denjenigen zahlt, der ihre geliebte Anastasia zu ihr bringt. An diesem Punkt treten Dimitri und Vlad ins Geschehen ein. Sie suchen ein Mädchen, welches in die Rolle von Anastasia schlüpfen soll, damit sie so das Geld bekommen.

Sie können keine Frau finden, die gut genug wäre, ihre Großmutter zu täuschen, bis Anja, ein Mädchen, dass jegliche Erinnerungen verloren hat und sich nur noch an das Aufwachen im Krankenhaus erinnert, in ihr Blickfeld gerät. In diesem Moment beschließen sie, dass Anja die Rolle der Anastasia übernehmen soll.

Als sie anfangen, Anja mit der Geschichte der Romanovs zu belehren und mit ihr nach Paris reisen, gewinnt Anja langsam ihre Erinnerungen zurück und sie beginnt sich an Dinge zu erinnern, die ihr nie beigebracht wurden.

Lasst mich euch an dieser Stelle ein paar “Insider” Informationen geben:

Die Kostüme sind ein einziger Traum. Das wahnsinnig schöne Kleid von Anastasias Mutter wiegt ganze 18kg und Anastasia’s rotes Kleid, welches man aus den Werbungen kennt, ganze 15kg. Stell dir mal vor, mit 18kg zusätzlich noch unbeschwert tanzen zu müssen. Apropos Anastasias Mutter: Ihre Krone wiegt mehr als 1kg und wird mit Magneten an ihrer Perücke befestigt.

Um die Darsteller immer gut verstehen zu können, haben alle Hauptdarsteller zwei Mikrophone. Nur für den Fall, dass eins einmal ausfallen sollte. Dimitri hat sogar drei, da er oft eine Mütze trägt, die das an der Stirn befestigte Mikrophon abdeckt. Das dritte Mikrophon ist an der Mütze angebracht. Wie cool ist das bitte?

Anastasia ist das einzige Musical, das ich kenne, bei dem SO oft Perücken gewechselt werden. Daher ist es kein Wunder, dass sie Perückenabteilung wirklich direkt hinter der Bühne positioniert ist. Stell dir mal vor, du musst 3 Stockwerke hochrennen, die Perücke wechseln, runter rennen, auf die Bühne und perfekt aussehen und singen, ohne außer Atem zu sein!

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Anastasia ist ein wirklich tolles Musical. Die Songs sind „magnifiques“ und ich LIEBE die Kostüme. Ich würde eine Niere geben, um auch nur einmal so ein Kleid anprobieren zu dürfen. Milan van Waardenburg ist perfekt in der Rolle des Dimitri und Judith Caspari ist so eine süße Anja. Beide wirken so sympathisch und authentisch. Zwischen den beiden stimmt definitiv die Chemie.

Ich kann das Musical sowas von weiterempfehlen und wenn du noch keine Chance hattest es zu sehen, hör‘ die schon mal die Lieder auf Spotify oder Apple Music an.

Bildnachweis: Szenenbilder von Stage Entertainment GmbH.