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Backstage bei Disney’s Glöckner von Notre Dame

gepostet am 1/6/2019

Wie ihr vielleicht wisst, bin ich mit Musicals groß geworden und liebe sie nach wie vor. Seit einiger Zeit gibt es das „Der Glöckner von Notre Dame“ Musical in Deutschland und ich wollte es eigentlich schon ewig sehen, kam aber leider nie dazu. Am Samstag, den 05.01.2019 war es endlich so weit.

Ich bin mit der Geschichte vertraut, ich bin nicht der größte Fan, find sie aber wirklich süß. Stage Entertainment bietet für Musicals eine Backstage Tour an, die all die Jahre an mir vorbei gegangen ist. Dieses Mal musste ich sie einfach machen.

Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass es wirklich weit in den Backstage Bereich geht. Mehr so eine Art Museum, nach dem Motto „Hier ist ein Duplikat von Esmeraldas Kostüm. Hier eine Perücke. Da ist der Ausgang.“. Schon beim rein gehen wurde mir bewiesen, dass ich mich geirrt hatte.

Beim Reingehen bekamen wir einen Backstage Pass und wurden zu der Seitenbühne geführt. Bereits da stand mir der Mund schon weit offen. Im Anschluss durften wir sogar auf die Bühne. Unsere Führungsleiterin, Julia, gab uns einige interessante Fakten. Wusstest Du, zum Beispiel, dass das Glockenläuten im Musical der wirkliche Klang der Notre Dame Glocken ist? Oder dass es eine Falltür auf der Bühne gibt und Esmeralda genau 28 Sekunden Zeit hat auf der Bühne die Treppen hoch zu rennen, hinter der Bühne wieder runter, durch den Backstage Bereich, zur Unterbühne, nur um dann wieder aus der Falltür rauszukommen? Auf der Bühne stand eine Kirchenbank und Julia sagte uns, wir sollen doch mal schauen, wie schwer sie sei, da Quasimodo später mit der Bank über dem Kopf die Bühne lang rennen würde. Diese war wirklich wahnsinnig schwer. Wenn ich Quasimodo so unbeschwert in die Show mit der Bank über dem Kopf hätte rennen sehen, hätte ich niemals gedacht, wie schwer sie wirklich ist. 

Bei den Kostümen wurde uns erklärt, wie Jonas Hein, der Schauspieler für Quasimodo, zum buckligen Quasimodo wird. Dann wurde uns der 5kg schwere Königsumhang gezeigt und Esmeraldas schwere, aber wahnsinnig schöne Korsagen. Wenn man weiß, wie schwer die Kostüme sind, oder wie viel die Schauspieler gerade tragen und dann noch im heißen Rampenlicht tanzen, da fühlt man richtig mit. Da ich Nähen und meine eigenen Kleider zu entwerfen liebe, war diese meine liebste Abteilung und ich habe durchgehend gestrahlt.

Nach der so ziemlich interessantesten Stunde meines Lebens, war es dann Zeit sich das Musical anzuschauen. Wenn man in den Bühnenraum läuft, sieht man normalerweise einen Vorhang; aber nicht in diesem Musical! Man soll sich fühlen, als würde man in die originale Kathedrale „Notre Dame“ laufen. Die Stimmen der Zuschauer werden aufgenommen und gehallt wiedergegeben und erzeugen somit eine Stimmung, wie in einer echten Kathedrale. 

Die Show begann und schon die ersten beiden Lieder und Szenen gaben mir Gänsehaut. Ich war schon in einigen Musicals rund um den Globus, aber ich hab noch nie einen so perfekt besetzten Cast erlebt. Der Glöckner, Jonas Hein, hat Quasimodo unwahrscheinlich authentisch dargestellt und ich habe wirklich mitgefühlt. Claude Frollo (Felix Martin) war einfach perfekt. Man konnte richtig den inneren Konflikt spüren, zwischen „er möchte an seinem Bruder durch das Baby festhalten“ und „so ein Kind möchte er aber nicht großziehen“. Nicht nur, dass es ein Kind einer Zigeunerin ist, sondern auch noch behindert. Zu dieser Zeit angesehen als Strafe Gottes.  

Das Szenenbild war wirklich detailliert. Stage Entertainment hat es irgendwie geschafft, aus einem relativen simplen Bühnenbild mit relativ wenigen Veränderungen, zu vermitteln, dass sich die Szene gerade außerhalb bzw. in der Kathedrale abspielt. 

Was mir wirklich gut gefiel: Es ist zwar ein Disney Musical, aber nicht gleich wie der Film. Spoiler Alarm: Am Ende sterben Esmeralda und Quasimodo. Als sie tot auf der Bank lag, dachte ich nur „Ach komm. Ich kenn den Film. Ich weiß, dass sie nicht wirklich tot ist.“. Als sie dann offiziell tot war, war ich irgendwie schockiert. Das war nicht was ich erwartet hatte.

Noch während der Pause habe ich meine Mutter angerufen und ihr mitgeteilt, dass ich nochmal Karten gekauft habe; dieses Mal mit ihr. Sie muss das sehen. Sie wird es lieben.

Das Gesamtpaket von der Musik, der perfekten Besetzung, über das Szenenbild, bis hin zur Backstage Führung war einfach die absolute Erfahrung. Ich hatte so viel Spaß und habe das Album den ganzen Weg nach Hause gehört. Ich freue mich riesig auf die zweite Show. Auch meine erste Backstage Tour war definitiv nicht meine letzte.

Ich hatte nur Gutes vom Musical gehört, dementsprechend waren meine Erwartungen hoch. Sie wurden aber sogar übertroffen. Ich hoffe, dass es irgendwann zurück nach Deutschland kehren wird. Noch kein Musical hat mich so emotional gefesselt wie dieses.

Disney’s Glöckner von Notre Dame ist noch bis zum 10.02.2019 in Stuttgart. Wenn ihr die Chance habt, schaut es euch unbedingt an. Und verpasst bloß nicht die Backstage Tour.

Die Szenenbilder wurden mir freundlicherweise von Stage Entertainment zur Verfügung gestellt (© Stage Entertainment).